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Bei der Neuropathia vestibularis handelt es
sich um den plötzlichen einseitigen Ausfall eines Gleichgewichtsorganes oder Gleichgewichtsnerv
oder der Gleichgewichtszentren
im Hirn,
eine seltene Krankheit, zugegeben (ca. 1:1500). Glücklicherweise heilt die
Störung, in den meisten Fällen nach 2 bis 6 Wochen ab (ca. 95% aller
Fälle), Symptomfreiheit aber erst nach Monaten, für die Betroffenen ist es
aber eine echte Katastrophe, vor allem in den ersten 3 bis 7 Tagen. Die
Erkrankung wird auch als Neuronitis
vestibularis oder Neuritis
vestibularis bezeichnet, was nichts anderes als Entzündungen
sind. Neuerdings auch als Akute
Vestibulopathie bezeichnet.
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Die Erkrankung ist gekennzeichnet durch
das plötzliche Auftreten von einem stark bewegungsabhängigem Drehschwindel
(Karussellgefühl), die Intensität des Schwindelgefühls,
wird durch die Lage und durch rasche Bewegungen verändert und ist verbunden
mit Übelkeit,
Vernichtungsgefühl, eventuellem Erbrechen
und anderen vegetativen
Symptomen wie nach dem Essen Schwitzen,
sonst starkes Schwitzen, Schlaffheit, Müdigkeit, Benommenheit.
Die Betroffenen haben das Gefühl auf die Seite zu kippen (Lateropulsion),
Gangunsicherheit mit Fallneigung zur erkrankten Seite. Es tritt kein Hörverlust
ein, es wird nicht über Tinnitus
(Ohrgeräusche) geklagt.
Die genauen Ursachen dieser Erkrankung
sind unklar, es werden infektbedingte
Störungen und Schädigungen durch Viren
diskutiert, aufgrund des vereinzelt epidemischen
Auftretens gibt es Indizien für eine Virusinfektion
(evtl. mit sekundär vaskulären
Komponente?). Der Ort der Störung wird sowohl im Labyrinth
selbst, im Bereich der Sinneszellen
wie auch im Bereich der Gleichgewichtsnerven,
im Stammhirn
oder Gehirn
vermutet. Neben lokalen Entzündungsveränderungen können auch Durchblutungsstörungen,
eine toxische
Schädigung oder ein Trauma zu
dieser Erkrankung führen (z. B. Akustikusneurinom,
Meningeome,
Schwannom,
herz
oder gefässbedingte
Durchblutungsstörungen,
Ischämiescher
Labyrinthschaden,
Thrombosen,
Embolien,
Hirnblutungen,
Gefässspasmen,
Mikroembolien,
Drogen,
multiple
Sklerose, Meningoenzephalitis,
Polyneuritis,
Meningitis,
Herpes
zoster varicella, Herpes
zoster oticus, Borreliose,
Frühsommer
Meningo Enzephalitis (FSME), Lues,
Listeriose,
Toxoplasmose,
Barotraumen)
um hier möglichst alle Möglichkeiten zu erwähnen. Am ehesten können Herbes
zoster, Borreliose,
Mikroembolien
und FSME
zu diesem Syndrom
führen.
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Heftiges Erbrechen bei Begin der
Krankheit deutet eher auf eine Infektion hin, kommt noch nasale
Hyperaktivität hinzu, ist ein weiteres Indiz gegeben. Bei einer
Ischämie bleibt Obiges oft aus. Es sind meist auch grössere Regionen im
Gehirn betroffen und nicht nur die, die das Gleichgewicht betreffen.
Wegen, Vertigo und Dizziness
sind in den ersten paar Tagen Bettruhe mit viel Schlaf und leichte
Mahlzeiten empfehlenswert. Um den Flüssigkeitsverlust in der Akutphase
des Erbrechens (ca. ½ bis 2 Tage) zu ersetzen, sollte ca. alle ½ h ein Schnapsglas Mineralwasser oder
ein Isotonisches Getränk getrunken werden. Bei Schwindel im Liegen hilft
auch, die Augen zu schliessen, um ihn zu stoppen. Es können auch Antiemetika
eingenommen werden, um Erbrechen und Schwindel zu
lindern, wobei dies nur Symptombekämpfung ist, da Antiemetika
bei diesem Syndrom kaum
wirken. Es kann gut auf Antiemetika und Antivertiginosa
verzichtet werden.
Am ehesten Antiemetika
vom Typ Neuroleptika
, wenn sie gut vertragen werden, nämlich wenn der Bauch
sich gut fühlt, ist man fast gesund. Die sedierende
Wirkung kann die Kompensation verzögern.
Ferner sollten Vitamine
des B, C, D und E Komplexes plus Calcium
eingenommen werden, da durch die gestörte Verdauung
möglicherweise zuwenig Vitamine
aufgenommen werden.
Sobald man sich wieder besser fühlt (ca. 3-7 Tage) sollte
man, um das Gleichgewicht zu trainieren,
sich bewegen, leichte Gymnastik oder Haushalts-arbeiten machen. Sich normal bewegen ist ausreichendes
Gleichgewichtstraining. Nur Liegen oder sich Überfordern sollte man nicht, auf seinen Körper hören und
Ausruhen, falls nötig.
Die Medizin kennt den Gleichgewichtssinn
erst seit ca. 100 Jahren, durch Dr. Robert Bárány. Seit damals hat sich bei den Ärzten
noch nicht viel geändert. Der Umgang mit dem abstrakten Sinn, den man erst
kennt, wenn er ausfällt, und somatisch durch Nystagmus mit
Frenzel-Brille,
Elektronystagmographie oder Videonystagmographie
nachgewiesen werden kann. Die Vestibularisprüfung
wird sowohl in der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde als auch in der Neurologie
eingesetzt.
Um den Nystagmus nachzuweisen, muss der Autofokus des
Auges, die Akkommodation ausgeschaltet werden. Die Frenzel-Brille, mittels 25-fache Vergrösserung
wird ein diffuses Sehen erreicht, überlistet das Gehirn und stellt die
Augenmotorik auf Gleichgewicht um. Dadurch werden unwillkürliche
Augenbewegungen beobachtet , von der Medizin als Nystagmus bezeichnet.
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Die Akkommodation wird auch bei
Dunkelheit ausgeschaltet; daher haben Betroffene mit einem
Gleichgewichtssturz im Dunkeln zusätzliche Probleme: im Dunkeln weder Gehen
noch Stehen können.
Der Mensch hat 4 Gleichgewichtssysteme:
1. das Optische durch die Augen
2. die Ohren mit dem Gleichgewichtssinn
3. die Ohren zum Hören der Akustik
4. das Kinästhetische
von Muskeln und Sehnen
Ob das Gleichgewichtsorgan sich wieder
erholt oder für immer ausfällt, das Gehirn kann dieses Manko meistens durch
Adaptation
und zentrale Kompensation ausgleichen. Die
Kompensationsvorgänge werden auch in der oft beobachteten Umkehr des Spontan-Nystagmus
in den Wochen nach dem Auftreten der Erkrankung durch Spontanheilungen
deutlich.
Das Zentralnervensystem (ZNS) ist von
sich aus in der Lage, Symptome und Beschwerden eines einseitigen, akuten,
vestibulären Funktionsverlustes abzubauen d.h. zu kompensieren. Die Kompensation eines peripher-vestibulären
Defekts ist allerdings abhängig von der guten Funktion des
zentral-vestibulären Systems und der vestibulären Ersatzsysteme. Vermehrter
Gebrauch (Training) der Ersatzsysteme fördert den Ablauf der Kompensation,
zu geringer Gebrauch (z.B. Bettruhe) sowie Erkrankungen des ZNS
hemmen sie.
Die Kompensation kann zwischen wenigen
Tagen und ein paar Monaten dauern. Sie ist abhängig vom Grade des Ausfalls
und dem individuellem Gebrauch des Gleichgewichts. Ein Kurzsichtiger hat
schon bei Licht eine Akkommodations-störung und kann auch tagsüber geh- und
stehunfähig sein; Betroffene mit 100% Ausfall brauchen länger, 1 bis 3
Monate. Leute mit ausgeprägtem Gleichgewichtssinn empfinden meist stärker
und länger den Schwindel; der weniger über die Motorik der Augen abläuft sondern mit dem grundsätzlichem Sehen
zutun hat. Der Mensch sieht nicht mit sondern durch die Augen,
sie werden dazu gebraucht.
Brillenträger sollten auf die Sehhilfe
während der Kompensation verzichten. Die Lesebrille (Plus Dioptern) ist
problematischer als die Kurzsicht-Brille, da diese den Schwindel verstärkt und die Kompensation eher
verzögert.
Der gesunde Mensch bewegt sich mit dem
optischen und kinästhetischem Gleichgewicht. Zum optimalen Sehkomfort braucht der Mensch sein Gleichgewichtsorgan.
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Das Gleichgewichtsorgan im Ohr
(medizinisch Vestibularapparat genannt) verschafft uns ein Orientierungsvermögen im
Raum. Es setzt sich aus einem Schlauchsystem mit drei Bogengängen zusammen.
Darüber hinaus gibt es zwei kleine, mit Flüssigkeit
("Endolymphe") gefüllte Bläschen, in denen Plättchen mit
Sinneszellen sitzen. Jede Bewegung versetzt die Endolymphe in Schwingungen,
die sich auf diese Sinneszellen übertragen. So werden alle Bewegungen des
Körpers registriert und in Impulse umgewandelt, die über den
Gleichgewichtsnerv weitergeleitet werden zum Gehirn. Keine Bewegung, sei
sie auch noch so klein, entgeht diesem System. Es nimmt auch alle
Richtungsänderungen wahr ( sowohl die Fortbewegung geradeaus als auch
Bewegungen nach oben oder unten oder als Drehung um eine Achse ) und meldet
sie dem Gleichgewichtszentrum im Gehirn.
Muskeln und Sehnen besitzen kleine Tast- und Fühlorgane,
die über Nervenbahnen dem Gleichgewichtszentrum im Gehirn Meldung geben
über die augenblickliche Haltung des Körpers und Stellung und Spannung der
Muskulatur. Über andere Nervenbahnen kann das Gehirn diese Stellungen
korrigieren und die Muskelaktivität den neuen Erfordernissen anpassen. Von
all diesen komplexen Vorgängen merken wir selbst normalerweise nichts. Auch
die Wahrnehmung
der Augen und die Verarbeitung und Beantwortung dieser optischen
Sinneseindrücke im Gehirn entgeht unserem Bewusstsein. Erst wenn das
Zusammenspiel dieser vier Steuerungssysteme gestört ist und das Gehirn
Augenmuskeln und Körperhaltung nicht mehr reguliert, wird eine Orientierung
unseres Körpers im Raum unmöglich, und es kommt zu für uns wahrnehmbaren
Beschwerden: dem Schwindel.
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Der Schwindel entsteht im Grosshirn (Kortex) und
ist recht subjektiv in der Wahr-nehmung und dadurch auch recht latent. Dem
Betoffenen sieht man von aussen meist nichts an, aber für ihn ist der
Schwindel real.
Die Krankheit lässt sich leicht am
typischen Schwindel (Drehschwindel) diagnostizieren. Dies gilt aber nicht
für deren Ursache. Der Drehschwindel wird ausgelöst durch eine Drehbewegung
des Kopfes. Dreht man den Kopf, d.h. die gesunde zur kranken Seite hin,
hält inne und fühlt ein kurzes Weiterdrehen, welches kurz danach stoppt, in
der Gegenrichtung ist kein oder wenig Schwindel auslösbar.
Bei Beginn der Akutphase ist auch Dauerdrehschwindel
möglich, dessen Nystagmus auch ohne Frenzel-Brille beobachtet werden kann.
Da Drehschwindel gut vorstellbar
ist, möchte ich Ihn nicht
weiter beschreiben. Oft hinzu kommt auch ein Dauer-Schwindel, der aufgrund
des Ausfalls von den Otolithenorganen Utrikulus und Sakkulus
entsteht. Der Dauer-Schwindel ist oszillierend; d.h. leichtes Hin- und Herbewegen,
Drehen der Objekte mit unterschiedlichen Frequenzen; dies wird auch
Brummschwindel oder Leere im Kopf bezeichnet. Der Dauer-Schwindel löst
einen starken Druck im Solarplexus
Bereich aus und kann zu Vernichtungsgefühl, Liftgefühl, Gefühl „auf Watte
gehen“ führen; ähnliche Symptome wie
bei einer Polyneuritis.
Ferner kann es zur Oszillopsie
kommen; Auf- und Abbewegen der
Umwelt beim Gehen; also Schwankschwindel. Es ist vergleichbar mit dem
Videogravieren beim Gehen.
Zur Prüfung des Gleichgewichts können
noch zwei einfache Test dienen; der Unterberger’scher
Tretversuch (nach 50 Schritten Abweichungswinkel festlegen) sowie der Romberg Versuch. Beide können auch ohne medizinische
Kenntnisse durchgeführt werden und kontrollieren die Kompensation. Auch der Ein-Bein-Stand mit geschlossenen Augen ist ein
solches Mittel (Komplexes Gleichgewicht).
Da die Krankheit eine hohe und schnelle
Selbstheilrate hat, ca. 80% der Betroffenen haben nach 5 Tagen das
Gleichgewicht wieder, und bei den Anderen in den nächsten 3 bis 8 Wochen, oder die
Kompensation hat in diesem Zeitraum stattgefunden. Aber diese Leute sind eigentlich
kein Problem , möchte ich mich den Personen widmen, bei welchen die Sache
mit der Kompensation oder der Spontanremission
(Spontanheilungen)
nicht geklappt hat.
Deshalb befasse ich mich mit
ganzheitlichen Gesichtspunkten, und nicht nur mit dem Ohr, sondern mit
organübergreifenden Symptomkomplexen, weil Vestibularisneuronopathie keine
Erkrankung des Ohres ist, sondern psycho-funktionelle bzw.
psycho-neuro-immunologische (PNI-)Störung ist, die
sich unter anderem lediglich durchs Ohr als Wahrnehmungsstörung des räumlichen
Orientierungsvermögen äussert. Neuropathia
vestibularis, Tinnitus,
Hörsturz etc.
treten deshalb nie alleine auf, sondern sind immer mit Einigen der
folgenden funktionellen Störungen gleicher Ursache verbunden:
■ Tinnitus
■ Hörsturz
■ Erhöhter
Cholesterinspiegel
■ Hypertonus
■ Migräne
■ Facialisparese
■ Trigeminusneuralgie
■ Spannungskopfschmerzen
■ Schleimhautschwellungen
im NNH-Bereich
■ Häufige
Kieferhöhlenentzündungen
■ Tubenkatarrh
■ Mittelohrentzündung
■ Vasomotorische Rhinitis
■ Nackenmuskelverspannungen
■ HWS-Verschleiss
■ Bandscheibenschäden
■ eingeschränkte
Kopfdrehung
■ Kiefermuskulaturverspannungen
■ Zähneknirschen
■ Kiefergelenkbeschwerden
■ Zahnflächenschäden
■ Paradontose
Der gesamte
Symptomkomplex heilt meist mit einer Spontanremission, d.h. Spontanheilung. 95 % der
Betroffenen sind nach 2 Monaten, 3 % nach 3 Monaten, 1 % nach 6 Monaten geheilt; Für die
Restlichen ( 1 Krankheitsfall pro 100'000 Personen), ca. 1 %, besteht auch
nach Jahren die Möglichkeit der Spontanheilung oder der Zustand bleibt bzw.
die Gewöhnung an die Krankheit erfolgt !?
Louis Winkler, Birsfelden in der Schweiz

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Erstellt am 2. Februar 2001 um 20:35 Uhr letzte Änderung am 11. März 2010 um 13:54 Uhr
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